Letzte Woche war Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche – einerseits das Jahreskreisfest des Erntedanks, aber andererseits auch der astronomische Punkt, wo Tag und Nacht gleich lange sind. Ein Balanceakt bevor die Nächte wieder spürbar länger werden.
Und passend dazu sind wir in der Astrologie in der Waage-Zeit angekommen. Eine Zeit, die uns einlädt, selbst in die Balance zu kommen.
Die Sehnsucht nach Harmonie
Die Waage-Energie ist wunderschön. Sie strebt nach Harmonie, nach Ausgleich und Gerechtigkeit. Sie möchte, dass es allen gut geht, dass die Welt ein schönerer Ort ist.
Diese tiefe Sehnsucht nach Harmonie ist grundsätzlich ja sehr positiv und erstrebenswert. Für mich persönlich stellen sich inzwischen aber die Fragen,
- ob ich dabei wirklich auf die eigenen Bedürfnisse geachtet und Rücksicht genommen oder ob ich mich mal wieder im Außen und meinem Umfeld verloren habe?
- ob ich (aus Selbstschutz und/oder Konfliktscheue) lieber einer Konfrontation aus dem Weg gehe? Somit muss ich mich auch nicht unangenehmen Gefühlen, überschäumenden Emotionen oder Reaktionen stellen, die ich nicht mag.
- ob ich eine Entscheidung treffen muss, die zu Konsequenzen führt, die vielleicht nicht nur Pluspunkte beinhaltet? Und ob ich zögere, weil ich Angst habe mit einer Entscheidung das Gleichgewicht zu stören? Mein inneres Gleichgewicht, aber auch die Balance in und mit meinem Umfeld.
Der leise Preis der Harmoniesucht
Ich kenne diese Energie nur zu gut. Mein Mars, der Planet der Durchsetzungskraft und des Handelns, ist in der Waage platziert. Es war es lange Zeit mein unbewusstes Lebensmotto, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Diese Schattenseite kann dazu führen, dass wir uns selbst zurückstellen. Dass wir so sehr auf die Bedürfnisse unseres Umfelds achten, dass wir den Kontakt zu unseren eigenen verlieren. Und ich wollte immer Harmonie um jeden Preis.
Das Problem dabei war, dass dieser Preis oft auf meine Kosten ging. Auf meinem Weg habe ich gelernt, mich diesem Thema zu stellen. Und diese „Harmoniesucht“ besteht aus vielen kleinen Einzelstufen, die es zu erklimmen gilt.
Zu Beginn steht erstmal das Erkennen meiner eigenen Bedürfnisse. Und dies ist leichter gesagt als getan. Dann folgt das Kommunizieren und somit auch den (potentiellen) Konfrontationen nicht aus dem Weg zu gehen. Grenzen zu setzen sind dann noch weitere Steps in diesem fortlaufenden Prozess. Eine Treppe, die ich Stufe für Stufe hinaufsteige. Manche Situationen sind immer noch nicht einfach und kehren auch immer wieder. Sie tauchen allerdings in einer veränderten Variante auf, da es wie in einer Spirale, oder besser gesagt, wie bei einer Wendeltreppe, trotzdem aufwärts geht.
Was mich diese Zeit nun lehrt
Gerade jetzt, in dieser Zeit des Ausgleichs, werden mir einige Dinge besonders klar. Vielleicht ist auch etwas für dich dabei:
- Meine Bedürfnisse sind leise. Sie schreien nicht. Sie flüstern in meinem Herzen und in meinem Bauchgefühl. Der erste Schritt ist, wieder zu lernen, auf diese sanften Impulse zu hören und ihnen zu vertrauen, bevor der Verstand sie mit lauten Argumenten übertönt.
- Wahre Balance ist eine innere Haltung. Es geht nicht darum, jeden Konflikt im Außen zu vermeiden, sondern darum, in mir selbst einen Punkt zu finden, an dem ich meine Wahrheit ehrlich spüre und ihr Raum gebe, auch wenn es im Außen mal kurz wackelt.
- Chaos vor Klarheit. Manchmal muss Chaos herrschen, damit daraus wieder Klarheit entstehen kann. Das Chaos in mir und das Ungleichgewicht, dass dadurch in mir entsteht, lassen mich ziemlich unrund werden. Wie eine unausgeglichene Waage pendel ich von einem Extrem ins Andere. Und nach diesen extremen Ausschlägen, die mich ins Schwanken bringen, drücke ich innerlich den „Reset“ Knopf und finde zurück in meine Zentriertheit – in meine Mitte. Und von dort kann ich dann auch gute Entscheidungen treffen.
- Entscheidungen sind Selbstfürsorge. Die Waage-Energie kann unentschlossen machen. Eine Entscheidung abzugeben, fühlt sich manchmal leichter an. Aber jede kleine Entscheidung, die ich für mich treffe, ist ein Akt der Selbstverantwortung. Es ist eine liebevolle Geste, das Steuer meines Lebens wieder selbst in die Hand zu nehmen.
Es ist die kontinuierliche Reise vom ständigen Schauen im Außen zum liebevollen Lauschen im Inneren.
Eine Einladung zum Innehalten und Aufschreiben
Der Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche markiert die perfekte Zeit, um den Blick wieder vermehrt nach innen zu richten. Wenn du magst, lade ich dich zu einem kleinen Ritual ein, das dich dabei begleiten kann: dem Schreiben.
- Dein Raum für Gedanken: Erlaube dir, einfach frei zu schreiben, ohne Ziel und ohne Urteil. Schreibe auf, was dich bewegt. Durch das Niederschreiben entwirren sich Gedankenschleifen oft von selbst. Du erkennst Muster oder Glaubenssätze, die dir nicht mehr gut tun. Für mich bringt das Schreiben eine unglaubliche Klarheit und macht den Weg für Veränderung frei.
- Dein Dankbarkeitstagebuch: Nimm dir jeden Abend ein paar Minuten Zeit und schreibe zwei oder drei Dinge auf, für die du an diesem Tag dankbar warst. Das kann das nette Gespräch beim Arztbesuch sein, während man wartet. Das kann eine langjährige Freundschaft sein. Der Moment, wo du heute für dich eingestanden bist. Oder einfach der warme Sonnenstrahl auf deiner Haut. Diese Übung lenkt deinen Fokus sanft auf die Fülle, die bereits da ist.
Ein Gedanke für dich
Die Balance, nach der wir uns sehnen, finden wir nicht, indem wir uns verbiegen. Wir finden sie, indem wir uns selbst mit all unseren Bedürfnissen und Gefühlen kennenlernen und annehmen.
Fühl dich herzlich umarmt,
deine Babsi 🌸
