…und was mich wieder zurückgebracht hat.
Hier teile ich einen Einblick in meinen Weg durch mein Burnout mit Manie & Depression und zurück zu mir. Mein sehr persönlicher Erfahrungsbericht.
Ich war lange eine junge Frau, die sehr gut funktioniert hat.
Immer verlässlich und leistungsfähig. Immer da für andere, für alles, was man von mir brauchte und zur Erfüllung von Erwartungen. Vor allem meiner eigenen, hoch gesetzten Erwartungen an mich selbst. Und gleichzeitig war ich so weit entfernt von mir selbst, dass ich gar nicht mehr wusste, wie es sich anfühlt einfach ich zu sein.
Heute nehme ich dich mit in eine Phase meines Lebens, die sich lange nach einem schweren Scheitern angefühlt hat, aber rückblickend ein erster Befreiungsschlag vom ständigen „sich-aufopfern“ und der damit verbundenen Opferrolle war.
Der Beginn: Indien, schlaflose Nächte und das Burnout
Es begann mit einer 4-wöchigen Reise nach Indien mit meinem damaligen Lebenspartner und jetzigen Mann. Dort begegneten wir ein anderen Kultur, viel Natur und interessanten Persönlichkeiten, die mich (noch mehr) zum Nachdenken anregten.
Fragen, die ich mir früher bereits gestellt hatte, kamen wieder in mein Feld. Fragen, worauf ich nie „meine“ richtigen Antworten gefunden hatte und sie deswegen wieder in Schubladen verschwinden ließ:
- Wer bin ich?
- Was will ich eigentlich?
- Wozu das alles?
- War das schon alles?
- Was ist der Sinn des Lebens?
- Was ist meine Aufgabe auf dieser Erde?
Ich konnte auch in Indien keine Antworten finden, aber tief im Innen hat damals etwas zu arbeiten begonnen. Zurück in Österreich kamen ein paar Monate später dann die schlaflosen Nächte. Drei, vier am Stück. Mein Gehirn lief auf Hochtouren und konnte nicht abschalten.
Ich erstellte Businesspläne mitten in der Nacht, kündigte meinen Job, konnte plötzlich Einsteins Relativitätstheorie erklären und mein Schulfranzösisch floss einfach so aus mir heraus.
Für mich war das, ehrlich gesagt, recht amüsant. Für meine Umgebung vermutlich weniger.
Das war meine manische Phase, auch wenn mir das damals so nicht bewusst war.
Die Psychiatrie und der erste lange Schlaf
Es war mein Lieblingsmensch, der schließlich die Reißleine zog. In Absprache mit meiner Mama und meiner Hausärztin brachten sie mich in die Psychiatrie und ich wehrte mich nicht.
Dort wurden Untersuchungen gemacht. Auch Checks vom Gehirn. Es kam dabei nichts Konkretes raus, aber ich bekam endlich Schlaftabletten. Und ich schlief tief und lange, seit Tagen.
Danach folgten für die kommende Zeit noch Tabletten um mich ein bisschen runterzufahren. Hier wurde ich von einer sehr kompetenten Psychiaterin unterstützt. Zusätzlich suchte ich mir noch eine Psychotherapeutin, die sich auf das Burnout Syndrom spezialisiert hatte.
Ich nahm die Tabletten und ging zur Therapie und kam in eine neutrale Phase.
Und dann, ein paar Monate später, kam das Grau.
Die depressive Phase: still, fahl und emotionslos
Die Depression war nicht das, was ich erwartet hätte.
Für mich fühlte sie sich nicht dramatisch an. Auch nicht laut. Und da war auch kein Weinen oder ein offensichtlicher Schmerz.
Die depressive Phase war einfach grau, fahl, leer und vor allem so emotionslos.
Es war Sommer. Ich hätte im Garten, in der Sonne liegend, Bücher lesen können. Das Leben war da und mein Umfeld war unterstützend an meiner Seite. Mein Lieblingsmensch hat mir gezeigt, was wahre Liebe ist. Meine Mama ist und bleibt einfach die beste Mama, die man sich vorstellen kann und meine Freundinnen haben sich trotz meiner „konstant grauen Welt“ immer wieder gemeldet und versucht mich aufzubauen. Aber es war nichts in mir, was darauf reagiert hätte. Ich hatte keine Freude, keine Lust und das Leben hatte die Farbe verloren.
Und wer mich kennt, der weiß: das bin einfach nicht ich!
Die Tagesklinik und ein Lächeln
Auf Empfehlung meines Umfelds meldete ich mich für eine psychiatrische Tagesklinik an.
Als ich endlich einen Platz bekam, soll ich das erste echte Lächeln seit sehr langer Zeit gehabt haben. Einfach so. Für einen Platz in einer Tagesklinik.
Das sagt wohl alles darüber, wie es mir davor gegangen ist.
Die Tagesklinik gab mir Struktur und einen Rahmen. Es war damals für mich ein Ort, an dem ich sein durfte, wie ich war, ohne funktionieren zu müssen. Die Stimmungsaufheller, die ich nahm, haben mir ehrlich gesagt nicht das Gefühl gegeben, dass sie mir helfen. Aber die Struktur der Tagesklinik hat es.
Die „Zweit-Mama“ und die Rückkehr ins Leben
Eine ehemalige Arbeitskollegin (und Freundin) wusste, dass ich zu dem Zeitpunkt arbeitslos war. Sie holte mich zurück in meinen ersten Job und so auch wieder zurück in ein strukturiertes Alltagsleben, welches ich in dem Moment gebraucht habe.
Sie war schon immer ein bisschen wie eine zweite Mama für mich und dieser Schritt hat mir sehr viel Halt gegeben. Den Mut, wieder in die Arbeitswelt einzusteigen und die Möglichkeit, mich neu zu sortieren, mich wieder selbst zu entdecken und weiterzugehen.
Es war kein großer Moment des Erwachens. Es war einfach ein nächster Schritt.
Sieben Jahre ohne Pferde
Was in dieser Zeit auch passiert ist: Ich trennte mich von meinem damaligen Pferd.
Finanziell war es die richtige Entscheidung. Emotional bin ich mir bis heute nicht ganz sicher. Aber irgendwie hat es so sein sollen.
Es folgten 7 Jahre ohne Pferde. Das klingt nach einer langen Zeit. Und das war es auch.
In diesen 7 Jahren war mein Leben erfüllt vom Entstehen des Hundereise-Blogs mit Murphy und Archie (mein Seelenhund, der Epilepsie hatte), vom Abschied von meinem Papa, vom Weg in die Selbstständigkeit mit Webjuwel, von unserer Hochzeit, von meiner Ausbildung zur Mentaltrainerin, und einigem mehr.
Und vor allem war es ein neues Kennenlernen von mir selbst:
- Da ist ein unerschütterlicher Glaube in mir, der mich nicht aufgeben lässt und der mich an eine unerschöpfliche Kraftquelle anbindet, die niemals versiegt
- Durch das bewusste Erforschen und Erkennen meiner Stärken und Schwächen, das Schätzen meiner Licht- und Schattenseiten kann ich mich in Summe mehr annehmen, wie ich bin
- Ich bin ein menschlicher Sonnenschein und strahle von innen heraus. Auch für andere, aber vor allem für mich selbst. Und auch die Sonne zieht sich mal hinter Wolken zurück. Und das ist gut so, denn Regentropfen (aka Tränen) sind lebensnotwendig, klärend und reinigend.
- Yoga, Astrologie, Tarot, Numerologie, Räuchern, Energiearbeit, Pflanzenkunde, Frauenkreise und kreativer Ausdruck sind für mich kein esoterischer Hokuspokus, sondern ein wesentlicher Teil meines Selbst. All das gibt mir neben den Tieren Kraft, Halt und Stabilität. Und seitdem ich selbst dazu stehe, reagiert mein Umfeld auch nicht irritiert darauf.
Und wenn doch, habe ich eines inzwischen verinnerlicht: I don’t care!
Btw bedeutet das Wort „esoterisch“ im Ursprung schlicht: nach innen gerichtet. Es kommt aus dem Altgriechischen und beschreibt Wissen und Erfahrungen, die nicht von außen kommen, sondern entstehen, wenn man beginnt, sich selbst wirklich zu erforschen. Und in diesem Sinn war vieles, was mich zurückgebracht hat, durch und durch esoterisch. Nicht weltfremd oder irrational, sondern konsequent nach innen gerichtet.
Franky: unverhofft kommt oft und kann alles verändernd sein
Im Spätsommer 2023 fragte mich meine Schwägerin, während ich gerade noch meinen gebrochenen Fuß auskurierte, ob ich bei ihr Mitreiterin werden will. Ich sagte ja und ein halbes Jahr später kam durch ihren Lebenspartner (ein Pferdetrainer) Franky in mein Leben.
Freundinnen, die mit Pferden rein gar nichts am Hut haben, sahen die ersten Fotos von uns und schrieben mir:
„Du schaust einfach so happy aus.“
Sie nannten es pure Glückseligkeit und ich würde sagen das trifft es. Und plötzlich strahlte die Welt wieder in ALLEN Farben und noch mehr für mich.
Was ich heute weiß
Mein Burnout war kein Scheitern, auch wenn es lange so ausgesehen und sich so angefühlt hat. Ich habe noch immer nicht alle Antworten auf meine Fragen gefunden, aber ich habe herausgefunden, dass ich den Weg der Suche liebe.
Denn heute weiß ich, dass der Weg zurück zu sich selbst selten spektakulär und auch keine große Erleuchtung ist. Kein Moment, in dem alles plötzlich klar wird, sondern „simple“ Dinge wie diese:
- ein Schritt nach dem anderen zu gehen
- das bewusste Beschäftigen mit sich selbst
- das Erkennen und Erfüllen der eigenen Bedürfnisse
- Lernen den Körper achtsam wahrzunehmen
- der inneren Stimme zuzuhören und sie nicht zu ignorieren
- mit sich selber mitfühlend umzugehen
Echte Verbindung zu sich selbst entsteht nicht durch Druck, sondern durch Geduld, Ehrlichkeit, Hinschauen und vor allem Hinfühlen.
So fühlt sich mein Burnout nicht mehr wie ein schweres Schicksal an, sondern wie ein Punkt auf meinem Lebensweg der mich so manches gelehrt, einiges vergessen und vieles neu erfahren hat lassen.
Was macht meine Geschichte mit dir?
Erkennst du dich irgendwo darin wieder?
Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?
Ich freue mich, wenn du mir schreibst.
Von Herzen. Deine Babsi.

